Klinische Studien bei Krebserkrankungen III
Vom Labor zum Patienten
Bei der Suche nach neuen Substanzen, die gegen Krebs helfen könnten, gibt es zwei unterschiedliche Ansätze. Zum einen werden Substanzen aus der Natur getestet. So gibt es neue Substanzen, die aus Moosen, Algen, niederen Meerespflanzen oder Meerestieren gewonnen werden. Andererseits werden bereits erfolgreiche chemische Stoffe im Labor verändert. Dadurch entstehen neue Wirkstoffe mit veränderter Wirksamkeit, aber auch veränderten Nebenwirkungen. So wurde z.B. aus dem Medikament Cisplatin (bevorzugt eingesetzt beim Hodencarcinom) das Medikament Carboplatin (weniger die Niere betreffende Nebenwirkungen) entwickelt und später Oxaliplatin, welches bevorzugt bei Darmkrebs eingesetzt wird. Diese neu gewonnenen Substanzen werden an Zellkulturen untersucht und falls sie diese Tests erfolgreich bestehen an tumortragenden Tieren, meist Ratten und Mäuse getestet. Auf diese Art und Weise werden Wirkung und Nebenwirkung getestet. Erst danach kann die Substanz bei Menschen eingesetzt werden. Hierfür gibt es genau festgelegte Abläufe.
Man unterscheidet bei der Entwicklung neuer Medikamente vier Phasen:
Phase I
Haben die präklinischen Versuche Wirksamkeit bei Tieren gezeigt, so muss die für Menschen beste Dosis herausgefunden werden. Hierfür wird zunächst mit einer kleinen Dosis begonnen und dann stufenweise gesteigert, bis die optimale Dosis gefunden ist. Gleichzeitig werden Nebenwirkungen genau beobachtet und dokumentiert. Es werden Erkenntnisse über biologische und pharmakologische Effekte beim Menschen gewonnen. Wie wird das Medikament verstoffwechselt? Wie schnell wird die Substanz ausgeschieden? Dazu erfolgen häufig vermehrt Blutabnahmen und Urinuntersuchungen ("Pharmakokinetik"). Da es sich um eine frühe Phase handelt, kann nicht vorausgesagt werden, ob die erhoffte Wirksamkeit auch eintritt. In einer Phase I Studie ist die Zahl der Patienten, die mit dieser Methode erstmals behandelt werden, zunächst sehr klein.
Phase II
In diesem Abschnitt geht es darum, die Wirksamkeit der Behandlung bei bestimmten Gruppen von Tumorerkrankungen festzulegen. Dazu wird die in der vorangegangenen Phase I Studie ermittelte optimale Dosis eingesetzt und es werden mehr Patienten behandelt. Um die Wirksamkeit genau zu beweisen, müssen gelegentlich mehr Untersuchungen als sonst üblich durchgeführt werden, z.B. mittels Röntgen oder Ultraschall. Schließlich zählen nur Tatsachen und keine Vermutungen. Weiterhin werden die Nebenwirkungen genau beobachtet und dokumentiert. Auch Medikamente, die bereits für eine Tumorerkrankung zugelassen sind, müssen diese Studienphase durchlaufen, wenn sie für eine andere Tumorerkrankung eingesetzt werden sollen. Zeigt sich eine deutliche Wirkung gegen die Tumorerkrankunge, so ist dies die optimale Ausgangssituation für die Planung größerer therapeutischer Studien.
Phase III
Jetzt erfolgt eine weitere Absicherung der neuen Behandlungsmethode mit noch mehr Patienten. In dieser Phase können auch Kombinationen mit anderen Medikamenten oder anderen Behandlungsformen (z.B: Operationen oder Strahlentherapie) erfolgen. Meist werden die Patienten per Randomisation (link) verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt. Außerdem sind zunehmend mehr verschiedene Kliniken (Multicenter-Studien) beteiligt, so dass regionale Unterschiede keinen Einfluss haben können. Erst wenn ein neues Medikament erfolgreich Phase III Studien durchlaufen hat, kann es zugelassen werden, aber auch nur für die getestete Erkrankung.
Therapieoptimierungsstudien
Hierbei werden schon zugelassene Medikamente, über die bereits ausreichende Erfahrungen vorliegen, in neuen Dosierunge, unterschiedlich lange oder in Kombination mit anderen wirksamen Medikamenten eingesetzt. Bekannte, anscheinend gleichwertige Therapiekonzepte werden getestet, um bessere Wirkung oder geringere Nebenwirkungen für eine Methode beweisen zu können.
